Weibliches Schreiben in der Aufklärung

Weibliches Schreiben in der Aufklärung

Beschreibung

Das 18. Jahrhundert wird immer wieder als das „Jahrhundert der Frauen“ bezeichnet. Auch in Spanien gibt es in der Aufklärung eine dynamische weibliche Literaturbewegung, die mitunter eng mit politischen Fragen, etwa dem Abolitionismus und der Emanzipation, verbunden ist.

Das Seminar wendet sich schillernden weiblichen Figuren der spanischen Aufklärungsliteratur zu, wie der Theaterautorin María Rosa de Gálvez, die eine der wichtigsten Dramatikerinnen ihrer Zeit war und zahlreiche, durchaus politische Dramen auf die Bühnen Madrids brachte. Ebenso beschäftigen wir uns mit Essayisten wie Josefa Amar y Borbón und Lyrikerinnen wie María Gertrudis Hore oder Margarita Hickey, die immer wieder die weibliche Kondition in den Mittelpunkt ihres Schreibens rücken.

Neben Autorinnen betrachten wir, wie sich Übersetzerinnen und Kritikerinnen an intellektuellen Debatten beteiligten. Maßgeblich zeigt sich dies etwa bei der aus Málaga stammenden Übersetzerin Inés Joyes y Blake, über die heute kaum noch etwas bekannt ist. Im Anhang einer Übersetzung aus dem Englischen publizierte Joyes y Blake so einen Essay, der für das Recht auf Bildung von Frauen eintritt, eine „Apología de las mujeres“.

Im Seminar lernen wir das 18. Jahrhundert in Spanien aus der Perspektive von größtenteils nicht kanonischen und vergessenen Autorinnen, Kritikerinnen und Übersetzerinnen kennen und thematisieren immer wieder, wie Schreiben und Geschlecht miteinander verbunden sind.

Uhrzeit und Ort

Dienstag: 12:00-14:00 Uhr, wöchentlich (ab 07.04.2026)

Ort: Seminarraum 9 (R.2.36), EA 26-27

Anmeldung

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Weibliches Schreiben in der Aufklärung [Seminar]

In diesem Semester unterrichte am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Frankfurt ein Seminar zum weiblichen Schreiben in der Aufklärung.

Im Seminar konzentrieren wir uns vor allem auf das Übersetzen in seiner gendertheoretischen Dimension. Viele Autorinnen der Aufklärung traten so zunächst als Übersetzerinnen hervor, wie etwa Luise Gottsched und Sophie von La Roche im deutschsprachigen Kontext. Dies lässt sich ebenso in den romanischen Literaturen, etwa in Spanien, Portugal und Frankreich beobachten, wovon etwa das Schreiben von Autorinnen wie Inés Joyes y Blake oder der Marquesa de Alorna zeugt.

Nicht selten dient die Übersetzung als Medium weiblicher Autorschaft; mal rekurrieren die Aufklärerinnen auf Paratexte der Übertragung, um feministische Essays zu publizieren, mal setzen sie sich an die Stelle des männlichen Autors und mitunter publizieren sie ihre eigenen Schriften unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Übertragung. Die Übersetzung wird zur Strategie, um Partizipation am öffentlichen Diskurs der Aufklärung einzufordern und weibliche Autorschaft zu etablieren.

Anhand der Bedeutung des Übertragens spürt das Seminar den Schreibpraktiken von Aufklärerinnen aus Frankreich, Spanien und Deutschland nach. Für diese gendertheoretischen Perspektive gilt es zunächst weibliche Autorschaft und die Bedeutung sprachlicher Transferprozesse historisch in die Diskurse der Aufklärung einzuordnen. Ziel unserer Lektüren ist es, das Schreiben von Frauen im 18. Jahrhundert ernst zu nehmen, doch zugleich Dichotomien wie ‚Übertragung‘ und ‚Original‘, ‚Autor‘ und ‚Übersetzerin‘, ‚Mann‘ und ‚Frau‘, ‚Muttersprache‘ und ‚Fremdsprache‘ textanalytisch zu überwinden.

Das Seminar steht in Dialog zu meinem aktuellen Forschungsprojekt zu mehrsprachigen Poetiken der Aufklärung. In diesem wende ich mich vor allem dem Übersetzen als translingualem Verfahren zu, das für Schriftstellerinnen der Epoche zu einer zentralen Ausdrucksform wird.

Zur Seminarbeschreibung im aktuellen Vorlesungsverzeichnis:

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