Dr. Marília Jöhnk

Queeres Schreiben

Queeres Schreiben
Pedro Lemebel

Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt auf den Gender Studies und auf der Queer Theory. Bisher habe ich mich vor allem mit der Theorie und Praxis queeren Schreibens bei lateinamerikanischen Autor*innen der Moderne beschäftigt. Hierzu sind Aufsätze entstanden zu Pedro Lemebel, ebenso arbeite ich gemeinsam mit Elena von Ohlen an einem Dossier zu Gloria Anzaldúa, das im nächsten Jahr bei Helix (Dossiers zur romanischen Literaturwissenschaft) erscheinen wird. Neben der Bedeutung des Schreibens interessiert mich vor allem die Methodologie des Queer Reading, die bekannterweise von Eve Kosofsky Sedgwick in Between Men angewandt wurde. Lateinamerikanische Autor*innen wie Gloria Anzaldúa, so meine These, entwickeln eine eigene Methodologie, die queeres Begehren mit dem Lesen und Schreiben zusammendenkt.

Neben Vorträgen zur Konvergenz von queerem Begehren und Lektüre bei Gloria Anzaldúa, Pedro Lemebel und Mário de Andrade beschäftige ich mich mit der Thematik in der französischen Literatur des 19. Jahrhunderts. Auf dem Romanistentag 2023 in Leipzig zeige ich etwa, wie bei Autor*innen der Belle Époque (Paul Verlaine, Natalie Barney und Renée Vivien) queeres Begehren und lesbische Liebe im Modus der Intertextualität und der Übersetzung verhandelt und konstruiert werden.