Dr. Marília Jöhnk

Mehrsprachigkeit in Lateinamerika

Mehrsprachigkeit in Lateinamerika

Mehrsprachigkeit betrachte ich nicht nur aus einer historischen Perspektive, sondern auch als Paradigma der lateinamerikanischen Gegenwartsliteraturen. Neben der Anderssprachigkeit der lateinamerikanischen Avantgarden, die oftmals wie der brasilianische Modernist Oswald de Andrade oder der ecuadorianische Surrealist Alfredo Gangotena das Französische als Sprache ihres künstlerischen Ausdrucks wählten, interessiert mich Mehrsprachigkeit als Theoriemodus.

Mit meiner Kollegin Elena von Ohlen organisiere ich so etwa auf dem Hispanistentg in Graz 2023 eine Sektion, die den Dialog des Spanischen und Portugiesischen mit den autochthonen Sprachen untersucht, der bereits durch seine Translingualität engagiert ist, wie sich im Werk von Chicano-Autoren wie Francisco X. Alarcón oder bei den autochthonen chilenischen Schriftstellern Elicura Chihuailaf oder Jaime Luis Huenún zeigt. Mit Elena von Ohlen arbeite ich zurzeit ebenso an einem Dossier anlässlich des 35. Jahrestages der Veröffentlichung von Gloria Anzaldúas Borderlands/La Frontera, das bekanntlich nicht zuletzt durch seine Form zu einem Manifest mehrsprachigen Schreibens (Englisch-Chicano-Spanisch-Nahuatl) avancierte.